Einsamkeit und Trauma: Warum wir uns oft abgeschnitten fühlen und welche Wege aus der Einsamkeit zurück in die Verbundenheit führen

Einsame Frau

Stell dir vor, es ist Samstagabend und du sitzt in einem schönem Café.

Um dich herum wird gelacht, Tassen klappern, Paare halten Händchen und Freunde sind in Gespräche vertieft.

Du bist mittendrin – und doch fühlst du dich irgendwie meilenweit entfernt.

Du spürst diesen Kloß im Hals, dieses ziehende Gefühl in der Brust das dir sagt:
„Ich gehöre hier nicht dazu.“

Es ist, als stündest du hinter einer dicken, schalldichten Glasscheibe. Du siehst das Leben der anderen, du hörst das Echo ihrer Freude, aber bei dir kommt keine Wärme an. Du fühlst dich ungesehen, fast so, als wärst du ein Geist im Raum.

Ein Gefühl der Einsamkeit überkommt dich.

Vielleicht kennst du diesen Moment, in dem du dich trotz vieler Kontakte, die du hast oder selbst in einer festen Partnerschaft oder im Kreise deiner Familie, plötzlich „mutterseelenallein“ fühlst.

Diese Form der Einsamkeit ist kein soziales Defizit – sie ist eine leise, aber gewaltige Folge von Erlebnissen, die dein Vertrauen in die Welt wahrscheinlich mal erschüttert haben.

Doch wie fühlt es sich eigentlich an, wenn die Verbindung zu anderen schon ganz früh im Leben abreißt?

 
 

Das Beispiel Sarah:
Wenn Bindungstrauma die Leitung kappt

Stell dir ein kleines Kind vor – nennen wir es Sarah.

Sarah wächst in einem Haus auf, in dem körperlich alles da ist:
Essen, Kleidung, ein Bett.

Aber Sarahs Mutter ist emotional nicht erreichbar. Vielleicht leidet sie an einer Depression, vielleicht ist sie selbst traumatisiert oder einfach völlig mit sich selbst beschäftigt.

Wenn Sarah weint, kommt niemand, um sie zu trösten. Wenn sie lacht und ihre Freude teilen will, blickt sie in leere Augen.

Sarah lernt ganz früh:
„Meine Gefühle interessieren niemanden. Wenn ich Hilfe brauche, bin ich allein.“

Um diesen Schmerz der Zurückweisung nicht jeden Tag neu zu spüren, baut Sarahs Nervensystem eine Mauer.

Sie hört auf zu fragen, sie hört auf zu erwarten – denn ihre Wünsche und Bedürfnisse werden ohnehin übersehen. Sie „funktioniert“ einfach.

Jahre später wundert sich die erwachsene Sarah (vielleicht so wie du im Café), warum sie keine echte Verbundenheit spüren kann. Woher diese innere Leere kommt.

Das ist ein Bindungstrauma: Die Leitung wurde gekappt, bevor die Verbindung überhaupt richtig wachsen konnte.

Wenn wir also als Kind lernen mussten, dass Alleinsein sicherer ist als Nähe – was macht das eigentlich mit unserem Körper?

Warum Einsamkeit und Trauma das Nervensystem verändern:
Wenn Nähe gefährlich wird

Unser Körper hat eine faszinierende Hierarchie, wie er auf die Welt reagiert.

Wenn wir uns sicher fühlen, sind wir im sozialen Kontaktmodus.

Wir können lächeln, Resonanz spüren und uns verbunden fühlen. Wir sind wirklich in Kontakt mit anderen Menschen.

Bei Menschen wie Sarah ist dieser Modus oft „eingeschlafen“.

Ihr System ist entweder im Dauerstress (Kampf/Flucht) oder – was bei chronischer Einsamkeit oft der Fall ist – im Shutdown. Das ist wie ein innerer Stromausfall. Du fühlst dich taub, schwer und wie betäubt. Dein Körper bereitet sich biologisch auf das „Aufgeben“ vor, weil er gelernt hat, dass kein Retter kommt.

In diesem Zustand können Betroffene unter tausend Menschen sein und sich trotzdem absolut isoliert fühlen, weil ihr biologisches „Empfangsgerät“ für Nähe abgeschaltet ist, um sie vor der vermeintlichen Gefahr einer neuen Enttäuschung zu schützen. Oftmals wählen einsame Menschen daher unbewusst den Rückzug, weil soziales Miteinander für sie keine Erholung, sondern puren Stress bedeutet.

Dieses Taubheitsgefühl schützt uns zwar vor Schmerz, aber es baut auch ein Gefängnis aus Schamgefühlen um uns herum – wie finden wir da den Schlüssel?

Die Scham: „Mit mir stimmt etwas nicht“

Das Gemeinste an dieser traumatischen Einsamkeit sind die Schamgefühle.

Ein Kind wie Sarah denkt nicht:
„Mama ist gerade nicht fähig, mich zu lieben.“ Es denkt: „Ich bin nicht liebenswert. Ich bin falsch.“

Diese nimmst du mit ins Erwachsenenleben. Sie flüstert dir ein, dass du eine Last bist oder dass die Menschen dich ablehnen würden, wenn sie dein „wahres Ich“ sähen.

Das Symptom der Scham ist der effektivste Wächter der Einsamkeit:
Sie sorgt dafür, dass du dich versteckst, selbst wenn die Tür eigentlich offen stünde.

Du hast gelernt, dass deine Bedürfnisse nicht zählen – also zeigst du sie nicht mehr, was deine Einsamkeitsgefühle immer weiter vertieft.

Wie können wir anfangen, diese alte Scham zu schmelzen und das Nervensystem wieder sanft „aufzuwecken“?

Wege aus der Einsamkeit:
Sanfte Übungen für dein Nervensystem

Heilung (obwohl es eigentlich keine Erkrankung ist) bedeutet hier nicht, sofort auf eine große Party zu gehen.


Arme sanft verschränkt

Heilung bedeutet, deinem Körper
im Hier und Jetzt kleine Signale
von Sicherheit zu senden.


  1. Die „Strohhalm-Atmung“:
    Wenn du dich taub oder abgeschnitten fühlst, atme tief ein (zähle dabei innerlich bis 3) und ganz langsam durch gespitzte Lippen aus (zähle dabei bis 6 oder 8). Das lange Ausatmen gegen diesen leichten Widerstand sendet direkt ein Entspannungssignal an dein System.

  2. Orientierung im Raum:
    Schau dich um. Benenne laut z. Bsp. alle grünen (oder eine andere Farbe) Dinge, die du siehst. Oder Berühre eine Oberfläche (einen Tisch, einen Stoff) und spüre die Struktur. Das holt dich zurück in die Realität von heute.

  3. Die Umarmung für dich selbst:
    Überkreuze deine Arme und lege eine Hand auf deinem Oberarm ab und eine Hand unter deine Achsel. Streiche oder drücke sanft mit der Hand auf dem Oberarm über deinen Arm. Sag dir leise: „Ich bin hier. Ich bin heute sicher.“

    Warte bei jeder Übung bis sich ein Atemzug oder ein Gähnen einstellt (das nennt man den Parasympathischen Shift).

Wenn wir lernen, uns selbst wieder zu spüren, ist der nächste Schritt der mutigste:
Die Brücke zu einem anderen Menschen zu schlagen.

Zurück in die Verbundenheit:
Der mutige Schritt zum Gegenüber

Sarah hat Jahre gebraucht, um diese Mauer zu bauen. Sie hat sich verschlossen, weil ihre Bedürfnisse nach Nähe früher ins Leere gelaufen sind.

Ihr Nervensystem hat gelernt:
Sich zeigen bedeutet Schmerz. Aber heute bist du nicht mehr das Kind von damals.

Heilung bedeutet nicht, dass du dich sofort der ganzen Welt öffnen musst.

Es beginnt mit einem winzigen Experiment bei einem Menschen, dem du vertraust – vielleicht eine gute Freundin, ein Partner oder du lässt dich therapeutisch begleiten.  

Trau dich, einmal ganz vorsichtig zu sagen:
„Ich fühle mich gerade ein bisschen weit weg“ oder
„Ich bräuchte gerade mal einen Moment deine Aufmerksamkeit“.

Wenn du merkst, dass dein Gegenüber darauf liebevoll reagiert, lernt dein Körper etwas völlig Neues:
Dass deine Bedürfnisse heute willkommen sind. Dass du nicht mehr allein sein musst mit deiner Not.

Ein Versprechen an dich:
Du bist heute nicht mehr einsam und allein


Leuchtendes Licht

Du darfst dir erlauben, in deinem ganz eigenen Tempo zurück ins Licht zu treten.


Jeder Moment, in dem du dich traust, ein kleines Bedürfnis auszusprechen, ist ein Schritt in die Verbundenheit und aus der Einsamkeit.

Du bist heute nicht mehr das kleine Kind von damals, das hilflos war. Du hast heute die Macht, dir selbst – und mit Hilfe von lieben Menschen – die Wärme zu geben, die dir früher gefehlt hat.

Du bist wertvoll, du wirst gebraucht und du bist – auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt – ein Teil von uns allen.

Es braucht Zeit, die Glasscheibe Millimeter für Millimeter abzubauen – bist du bereit, heute mit einer kleinen Übung oder einem ehrlichen Satz gegenüber einem vertrauten Menschen den ersten Riss zu wagen?

Gemeinsam die Glasscheibe schmelzen lassen

Wenn du dich in Sarahs Geschichte oder dem Gefühl, hinter einer Glasscheibe zu stehen, wiedererkannt hast, möchte ich dir sagen:
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. 

Als traumasensibler Coach unterstütze ich dich dabei, genau die inneren Anteile kennenzulernen, die sich so unendlich einsam fühlen – und auch jene, die dich durch Isolation so vehement beschützen wollen.

Gemeinsam schaffen wir einen sicheren Raum, in dem deine Bedürfnisse endlich gehört werden und dein Nervensystem lernen darf, dass Verbindung heute sicher sein kann.

Fühlt es sich für dich stimmig an?

Ich lade dich herzlich zu einem unverbindlichen Kennenlerngespräch ein.

Lass uns in deinem Tempo schauen, wie wir deinen inneren Anteilen die Geborgenheit geben können, nach der sie sich so lange sehnen.

Hier findest Du meine Angebote. 💫

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit ♡


Foto von Nicole Wöller

Ich bin Nicole.
Ich bin Coach für Neurosystemische Integration, ganzheitlich integrative Traumaarbeit

Ich begleite Menschen, die ihr Leben lang funktioniert und sich angepasst haben. Jetzt suchen sie eine Veränderung.

Sie wirken nach außen stark, sind innerlich aber unsicher und erschöpft.

Ich helfe ihnen, den Kreislauf aus Anpassung, Schuldgefühlen und Selbstzweifeln zu verlassen.

Damit sie den inneren Frieden finden, den sie sich schon lange wünschen.


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