Cherophobie verstehen: Warum Bindungstrauma zu Angst vor dem Glücklichsein führt und wie du die Angst vor dem Glück verlierst
Kennst du das?
Du wachst morgens auf, die Sonne scheint, in deiner Beziehung läuft es gerade richtig harmonisch und im Job hast du endlich mal keinen Stress.
Eigentlich ein perfekter Moment.
Doch statt dich zu freuen, spürst du dieses diffuse, ungute Gefühl im Bauch.
Eine Stimme in dir flüstert: „Das ist zu schön, um wahr zu sein.
Irgendwas Schlimmes wird gleich passieren.“
Statt das Glück zu genießen, fängst du vielleicht sogar ohne Grund einen Streit an oder ziehst dich komplett zurück, bis die gute Stimmung wieder „ruiniert“ ist.
Es klingt völlig verrückt, oder?
Warum sollten wir Angst vor dem haben, was wir uns am meisten wünschen?
In der Psychologie gibt es dafür einen Namen: Cherophobie.
Während ein Psychologe hier oft die Verbindung zu einer verborgenen Depression oder Angststörung prüft, schauen wir in der Traumaarbeit tiefer auf die Schutzfunktion deines Nervensystems.
Wenn du das kennst, möchte ich dir sagen: Du bist nicht „undankbar“ oder kompliziert. Dein Körper folgt gerade einer sehr alten, klugen Logik, die dich eigentlich nur beschützen will.
Aber warum hält unser Inneres den Frieden eigentlich für eine Bedrohung?
Das erfährst du in diesem Artikel:
Das Beispiel Julia:
Warum Chaos zur inneren Heimat wird
Schauen wir uns Julia an.
Julia ist in einer Familie aufgewachsen, in der es unberechenbar war. Wenn es mal einen Tag friedlich war, folgte darauf fast sicher ein heftiger Gewittersturm – ein Streit der Eltern, ein emotionaler Ausbruch oder kalte Ablehnung.
Julia hat als Kind eine bittere Lektion gelernt:
Wenn es gut läuft, musst du besonders wachsam sein. Die Katastrophe lauert direkt hinter der nächsten Ecke.
Heute, als erwachsene Frau, leidet sie unter den Folgen von Bindungstrauma.
Ihr System hat „Frieden“ mit „Gefahr im Verzug“ verknüpft.
Wenn Julia jetzt Glück erlebt, schlägt ihr Nervensystem Alarm.
Die Angst vor dem Glücklichsein – im Englischen treffend als fear of happiness bezeichnet – ist für sie ein Schutzschild.
Das Glück fühlt sich für sie nicht wie eine warme Decke an, sondern wie das dünne Eis auf einem See, das jeden Moment einbrechen könnte.
Doch was genau passiert in deinem Körper, wenn das Glück plötzlich die Alarmglocken schrillen lässt?
Warum Bindungstrauma zur Angst vor dem Glück führt: Die Biologie hinter der Cherophobie
In der Traumaarbeit wissen wir: Unser Nervensystem liebt das Vertraute, nicht unbedingt das Gesunde.
Wenn du jahrelang im Überlebensmodus warst, dann ist ein hoher Stresspegel deine „Normalnull“. Dein Körper ist auf Adrenalin und Cortisol eingestellt.
Wenn es nun plötzlich ruhig zugeht, sinkt dieser Pegel. Für ein traumatisiertes System fühlt sich diese Stille aber nicht nach Entspannung an, sondern nach Kontrollverlust.
Da du nicht gelernt hast, dein Nervensystem zu regulieren, versucht dein Körper, den gewohnten Stresszustand künstlich wiederherzustellen.
Die Angst vor dem Glück sorgt dafür, dass du das Schöne sabotierst, damit du dich wieder „normal“ (also gestresst) fühlst.
Du tauschst das unheimliche Glück gegen den vertrauten Schmerz ein.
Dieses Phänomen ist ein Kernaspekt der Cherophobie:
Die Angst, dass auf jede Freude unweigerlich eine Katastrophe folgt.
Hinter diesem Mechanismus steckt oft ein ganz spezieller Teil von dir – weißt du, wer da in dir die Notbremse zieht?
Der Schutzanteil und die Angst vor dem Glücklichsein: Warum Sabotage eigentlich Fürsorge ist
Wenn wir mit inneren Anteilen arbeiten, entdecken wir oft einen „Saboteur“, der in Wahrheit ein
loyaler Leibwächter ist.
Der renommierte Psychologe Paul Gilbert beschreibt treffend, dass Menschen mit Bindungstrauma positive Gefühle oft unbewusst dämpfen, um sich vor einem plötzlichen emotionalen Absturz zu schützen.
Dieser Anteil hat früher miterlebt, wie unerträglich weh es tat, wenn die Hoffnung enttäuscht wurde.
Er hat sich geschworen:
„Ich lasse nie wieder zu, dass wir uns sicher fühlen, nur um dann wieder tief zu fallen.“
Er hält dich lieber in einer gedämpften, grauen Stimmung, weil er glaubt, dass du dort „fallhöhensicher“ bist.
Er blockiert jede echte Verbundenheit und Lebensfreude, um dich vor dem potenziellen Schmerz zu bewahren.
In meiner Arbeit als Coach schauen wir uns diesen Anteil genau an – nicht um ihn zu bekämpfen, sondern um ihm zu zeigen, dass die Gefahr von früher heute vorbei ist.
Wie können wir diesem Anteil nun zeigen, dass die Gefahr von früher heute nicht mehr da ist?
Wege aus der Cherophobie:
3 Impulse für dein Nervensystem
Heilung bedeutet hier, deine
„Kapazität für das Gute“
ganz langsam zu erweitern.
Dein Nervensystem darf lernen, dass Sicherheit keine Falle ist. Da dein Körper bei Freude oft in den „Gefahrenmodus“ schaltet, arbeiten wir Bottom-up – also vom Körper zum Kopf.
Hier sind drei detaillierte Übungen, die du direkt ausprobieren kannst:
1. Das „Titrating“: Glück in homöopathischen Dosen
Stell dir vor, Freude wäre wie gleißendes Sonnenlicht nach einer langen Zeit in einer dunklen Höhle. Wenn du die Augen sofort weit aufreißt, schmerzt es. Wir müssen die Augenlider nur einen Millimeter öffnen.
Die Übung:
Wenn du einen Moment der Zufriedenheit spürst, halte ihn für exakt 5 bis 10 Sekunden fest. Nicht länger.Der Fokus:
Scanne deinen Körper: Wo fühlt es sich gerade friedlich an? Vielleicht sind es nur deine Zehen oder deine Ohrläppchen.Das Ziel:
Du signalisierst deinem System: „Ein winziger Tropfen Glück ist sicher.“ Danach darfst du die Aufmerksamkeit wieder abwenden. So dehnst du dein Toleranzfenster für positive Gefühle Millimeter für Millimeter aus.
2. Die „Anker-Berührung“ für deinen Schutzanteil
Wenn die Angst vor dem Glück hochkommt, ist das oft ein Zeichen, dass ein innerer Anteil in Panik gerät. Statt gegen die Angst anzukämpfen, laden wir sie ein.
Die Übung:
Lege eine Hand flach auf dein Brustbein oder auf deinen Bauch – dorthin, wo du die Enge spürst.Der Dialog:
Sprich leise (oder innerlich) mit diesem Anteil: „Ich merke, dass du gerade versuchst, mich zu schützen, indem du das Glück dämpfst. Danke für deine Wachsamkeit. Wir sind für diesen Moment sicher.“Die Wirkung:
Der sanfte Druck deiner Hand schüttet Oxytocin aus, was das Bindungssystem im Gehirn beruhigt. Du co-regulierst dich selbst und zeigst deinem System, dass du heute die Führung übernimmst.
3. Orientierung: Den „Sicherheits-Check“ ins Heute holen
Cherophobie ist oft eine Verwechslung von Gestern und Heute. Dein Körper glaubt, die Katastrophe von früher stünde unmittelbar bevor.
Die Übung:
Schau dich im Raum um. Benenne laut fünf Dinge, die du siehst, und beschreibe sie kurz (z.B. „Dort steht die blaue Kerze, sie ist glatt und unangezündet“).Der Abgleich:
Beende die Übung mit dem Satz: „Dort ist die Erinnerung an früher, aber hier ist mein Wohnzimmer im Jahr 2026. Hier bin ich gerade sicher.“Die Wirkung:
Du nutzt deine Sinne, um den präfrontalen Cortex (dein logisches Zentrum) wieder online zu bringen und dich aus dem emotionalen Flashback der Angst zu lösen.
Bist du bereit, heute mit der 10-Sekunden-Übung den ersten Riss in der Glasscheibe zu wagen?
Gemeinsam die Angst vor dem Glück verlieren
Die Angst vor dem Glücklichsein ist eine der hartnäckigsten Folgen von Bindungstrauma, weil sie uns genau dort blockiert, wo das Leben schön werden könnte.
Du musst diesen inneren Kampf nicht alleine führen.
Als traumasensibler Coach begleite ich dich und deine inneren Anteile dabei, die alte Alarmbereitschaft sanft herunterzufahren.
Wir arbeiten gemeinsam daran, dass dein Nervensystem lernt, Frieden nicht mehr als Gefahr, sondern als Heimat zu betrachten.
Damit du die Cherophobie hinter dir lassen und gute Tage wirklich mit jeder Faser deines Seins genießen kannst.
Soll ich dir dabei helfen, die Angst vor dem Glück in echte Sicherheit zu verwandeln?
Ich lade dich herzlich zu einem unverbindlichen Kennenlerngespräch ein. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir deinen „inneren Saboteur“ zum „inneren Genießer“ umschulen können.
Ich bin Nicole.
Ich bin Coach für Neurosystemische Integration, ganzheitlich integrative Traumaarbeit
Ich begleite Menschen, die ihr Leben lang funktioniert und sich angepasst haben. Jetzt suchen sie eine Veränderung.
Sie wirken nach außen stark, sind innerlich aber unsicher und erschöpft.
Ich helfe ihnen, den Kreislauf aus Anpassung, Schuldgefühlen und Selbstzweifeln zu verlassen.
Damit sie den inneren Frieden finden, den sie sich schon lange wünschen.